mini|Bergstadt von Bernburg mit Gymnasium Carolinum: eckiges, gelbes Gebäude rechts neben dem Eulenspiegelturm (erster Turm von rechts) mini|Schloss Bernburg – Blick von der Saale
Das Gymnasium Carolinum Bernburg ist ein allgemein Bildendes Gymnasium in Bernburg (Saale) in Sachsen-Anhalt. Am Gymnasium Carolinum Bernburg werden Fächer aus den Bereichen Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Sprachen angeboten. Auch Künstlerische, Musische, sowie sportliche Fächer werden unterrichtet.
Lage Das Schulgebäude und der Verwaltungssitz des Gymnasiums ist das denkmalgeschützte Carolinum in der Schlossgartenstraße 14 in der Bernburger Bergstadt. Es befindet sich auf einem Plateau oberhalb des rechten Ufers der Saale. Unmittelbar daneben liegen das Schloss Bernburg mit Burgterrasse, Bärenzwinger und Eulenspiegelturm sowie das Carl-Maria-von-Weber-Theater und das Rathaus Bernburg mit der Bernburger Blumenuhr.
Zu Beginn des Schuljahres 2003/2004 wurden das bisherige Gymnasium Carolinum sowie das Friederiken-Gymnasium und das Hermann-Hellriegel-Gymnasium zu dem neuen Gymnasium Carolinum Bernburg verschmolzen.
Historische Wurzeln zum Gymnasium Carolinum Das Gymnasium Carolinum Bernburg besitzt drei historische Wurzeln in Form Höherer Bildungsanstalten: das humanistisch orientierte Gymnasium (weiße Schülermützen), das Realgymnasium (rote Schülermützen) und die Friederikenschule als Lyzeum (blaue Schülermützen). Ein wesentliches Ausbildungsziel dieser drei Anstalten war es, den Zugang zu den Universitäten zu ermöglichen. Ihre Entstehungsgeschichte verläuft daher zeitlich parallel zur Entwicklung der benachbarten Universitäten in Wittenberg (gegründet 1502), in Halle/Saale (gegründet 1694) und in Leipzig (gegründet 1409 als zweitälteste deutsche Universität nach Heidelberg).
Das Herzogliche Karlsgymnasium Eine Wurzel des heutigen Gymnasium Carolinums reicht bis ins Mittelalter zurück. Die mittelalterlichen Schulen waren Einrichtungen der Kirche (Klosterschulen, Dom- oder Stiftsschulen). Bereits seit dem 12. Jahrhundert wurde bei bedeutenden Kirchen eine Schule errichtet: Pfarr- oder Parochialschule. Das Bernburger humanistische Gymnasium ist aus einer solchen Parochial-Schule erwachsen, die schon Jahrhunderte vor der Reformation an der Marienkirche in der Altstadt bestand. Mit der Reformation in dieser Kirche von 1526 ging die Schule auf die Stadt über, diese „Stadtschule“ befand sich auf dem Altstädter Kirchhof.Richard Köhler: Die Entwicklung der Bernburger Stadtschule zum Herzoglichen Karlsgymnasium. In: Günter Wedekind: Geschichte der Höheren Schulen zu Bernburg. Schulgemeinschaft „Carolinum und Friederiken-Lyzeum“, München 1980, ISBN 3-9800389-0-4, S. 77–122.
Der Ausbau zum Gymnasium erfolgte, indem der Direktor (in anderen Quellen lautet die Bezeichnung „Rektor“) David Gottfried Herzog das Abiturienten-Examen einführte. 1801 wurde in Bernburg zum ersten Male die Maturitätsprüfung abgehalten. Der Lehrplan entsprach dem der preußischen Gymnasien. Eine Besonderheit war seit 1827 der Englischunterricht, den man an anderen Anstalten jener Zeit nicht findet. Das Jahr 1835 brachte der Anstalt die Bezeichnung „Gymnasium“.
Gemäß „Höchster Resolution“ vom 11. August 1842 erhielt die Anstalt zu Ehren des Herzogs Alexander Carl von Anhalt-Bernburg den Namen „Carlsgymnasium“. Das durch Verfügung vom 28. November 1842 für die Schule bestimmte Siegel zeigt die Unterschrift „Herzogliches Carlsgymnasium“.Richard Köhler: Die Entwicklung der Bernburger Stadtschule zum Herzoglichen Karlsgymnasium. In: Günter Wedekind: Geschichte der Höheren Schulen zu Bernburg. Schulgemeinschaft „Carolinum und Friederiken-Lyzeum“, München 1980, ISBN 3-9800389-0-4, S. 121–122.
Das Revolutionsjahr 1848 belebte den Widerstand gegen überlebte Institutionen. Das vorrangige Ziel war hier die Befreiung des Gymnasiums aus der Kirchengewalt. Im Landtag artikulierte dessen Mitglied Adolf Zeising diese Forderungen, der gleichzeitig Professor und Subkonrektor des Gymnasiums war. Der neue staatliche Schulstatus wurde im Landesverfassungsgesetz vom 14. Dezember 1848 fixiert. Schließlich errang jedoch die Regierung einen Sieg über die Volksvertretung, sodass durch Höchste Verordnung vom 16. Dezember 1850 die Schule wieder dem kirchlichen Konsistorium unterstellt wurde. Zeising wurde vom Unterricht ausgeschlossen und in den Wartestand versetzt, er lebte fortan als Schriftsteller in München.Richard Köhler: Bernburg und sein höheres Schulwesen in den beiden letzten Jahrzehnten des ehemaligen Herzogtums Anhalt-Bernburg (1842 bis 1863). In: Günter Wedekind: Geschichte der Höheren Schulen zu Bernburg. Schulgemeinschaft „Carolinum und Friederiken-Lyzeum“, München 1980, ISBN 3-9800389-0-4, S. 123–140. Erst nach der Reichsgründung setzte ab 1875 eine staatliche Oberschulbehörde die ursprünglichen Forderungen von 1848 um. 1863 war mit dem Tod des Herzogs Alexander Carl das Carlsgymnasium (Direktor Karl Franke) in Dessauische Verwaltung übergegangen.
mini|Gymnasium Carolinum Bernburg, zugleich Verwaltungssitz, Gebäude Schlossgartenstraße 14 (gelegen im ehemaligen Schlossgarten) Unter dem Direktor Brandt erfolgte am 1. Juni 1882 die Einweihung des neu errichteten, gemeinsamen Schulgebäudes in der Schlossgartenstraße für das Karlsgymnasium und das Karls-Realgymnasium, die also weiterhin unter einem Dach wirkten. Nach dem frühen Tod von Brandt 1888 trat Hachtmann, ein Mitschüler von Friedrich Nietzsche am Naumburger Domgymnasium, das Erbe an; er übte das Amt bis 1907 aus. In die Amtszeit von Köhler fielen die Jahre des Ersten Weltkrieges, die das Unterrichtsgeschehen stark beeinträchtigten.
Ab 1919 führte Direktor Trenkel das Karlsgymnasium aus den Schwierigkeiten der Nachkriegszeit heraus. Nach den Plänen der Unterrichtsverwaltung begann 1922 schrittweise die Umwandlung in ein „Reformgymnasium“. In der Sexta trat Französisch an die Stelle des Lateinischen. Ab 1923 wurde als erste Fremdsprache Englisch eingeführt. Vom Schuljahr 1926/27 an besuchten zum ersten Mal auch Mädchen das Karlsgymnasium. Am Ende dieses Schuljahres wechselte das Direktorat auf den Studiendirektor Fritze, dem der volle Ausbau des Reformgymnasiums bis 1931 oblag. In der Stundenverteilung waren Lateinisch und Griechisch beträchtlich zurückgegangen, während die Neusprachen, Erdkunde, Mathematik, Physik, Zeichnen sowie Deutsch und Musik zugenommen hatten. So sollte das Reformgymnasium wettbewerbsfähig werden.Robert Palm: Die weitere Entwicklung des Karlsgymnasiums von 1863 bis zur Gegenwart. In: Günter Wedekind: Geschichte der Höheren Schulen zu Bernburg. Schulgemeinschaft „Carolinum und Friederiken-Lyzeum“, München 1980, ISBN 3-9800389-0-4, S. 141–169.
Das Dritte Reich begann für das Karlsgymnasium damit, dass Direktor Fritze am 31. März 1933 beurlaubt und später in den Ruhestand versetzt wurde. Die Leitung bekam sein Stellvertreter Studiendirektor Drosihn kommissarisch übertragen. Die Reform wurde rückgängig gemacht, das humanistische Gymnasium restauriert: Die erste Fremdsprache war wieder Lateinisch, 1935/36 kam Griechisch dazu. Das neue Erziehungsziel bestand darin, das Bewusstsein zu stärken, dass jeder Jugendliche ein Glied des Volksganzen sei. Die Schülerauswahl erfolgte nicht allein nach den Vorkenntnissen, sondern auch nach der Gesinnung, der Gesamtpersönlichkeit und ihrem Erbgut. Das Fach Biologie erhielt eine rassistische Tendenz. Ab Frühjahr 1934 besuchte kein Schüler jüdischen Glaubens mehr diese Anstalt. Das außerschulische Leben wurde maßgeblich durch die Zugehörigkeit zu den nationalsozialistischen Jugendverbänden bestimmt: die Primaner waren vorwiegend in der SA (Sturm-Abteilung), die Schüler der Mittelstufe in der Hitlerjugend, diejenigen der unteren Klassen im Deutschen Jungvolk.Günter Wedekind: Das Karlsgymnasium im Dritten Reich. In: Günter Wedekind: Geschichte der Höheren Schulen zu Bernburg. Schulgemeinschaft „Carolinum und Friederiken-Lyzeum“, München 1980, ISBN 3-9800389-0-4, S. 170–184.
Die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Karlsgymnasiums fanden am 7. und 8. September 1935 statt. Zum Programm gehörten eine Ausstellung von künstlerischen Schülerarbeiten, ein Schauturnen, eine Gefallenenehrung, Auftritte des Schulchores und des Schulorchesters sowie ein Festakt im Stadttheater und ein Ball im Kurhaus.Karl Drosihn: Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Gymnasiums in Bernburg – Vorwort. In: Günter Wedekind: Geschichte der Höheren Schulen zu Bernburg. Schulgemeinschaft „Carolinum und Friederiken-Lyzeum“, München 1980, ISBN 3-9800389-0-4, S. 73–75.
1936 verfügte das Reichskultusministerium, die Schulzeit an allen höheren Lehranstalten Deutschlands von neun auf acht Jahre zu reduzieren. In der Weimarer Republik war bereits die 4-jährige allgemeine Grundschule eingeführt worden. Der Abiturabschluss erfolgte jetzt nach 12-jähriger Schulausbildung.
1937 wurden im gesamten Deutschen Reich die bestehenden Gymnasien in „Oberschulen für Jungen“ umgewandelt. Das Karls-Realgymnasium führte seitdem den Namen „Karlsschule, Oberschule für Jungen“. Das humanistische Karlsgymnasium dagegen fand bei Schülern und Eltern nur noch geringes Interesse, so dass die Anhaltische Schulbehörde entschied, ab Ostern 1937 das Bernburger Karlsgymnasium abzubauen. Damit fand das seit 1835 bestehende humanistische Gymnasium zu Bernburg 2 Jahre nach seinem 100-jährigen Bestehen sein Ende. Zum 30. September 1937 ging sein kommissarischer Direktor Drosihn in den Ruhestand. Am 6. Dezember 1937 übernahm der bisherige Leiter der Friedrikenschule Oberstudiendirektor Friedrich Gottlieb Schmidt, Mitglied der NSDAP und der SA sowie geschult in der Nationalpolitischen Bildungsanstalt (NapoBi) Ballenstedt, die gemeinsame Leitung der Karlsschule und der noch verbliebenen, auslaufenden Klassen des Karlsgymnasiums.
Der Zweite Weltkrieg brachte den Bernburger Oberschulen tiefe Einschnitte. Lehrer wurden zum Wehrdienst einberufen. Ebert musste in beiden Schulen die Vertretung des einberufenen Direktors Schmidt übernehmen. Den Unterrichtsbetrieb unterbrachen zahllose Einsätze: Die Schüler leisteten Ernteeinsätze, Kriegshilfsdienste, Sammelaktionen u. ä. Als 1943 von den 7 Schülern der 8. Klasse sechs zum Arbeitsdienst und anschließend zur Wehrmacht eingezogen wurden, verblieb als einziger Schüler Wolfgang Sarg. Er legte am 10. Januar 1944 als letzter Absolvent die Reifeprüfung ab. Mit dem Abiturienten Sarg wurde das humanistische Karlsgymnasium zu Bernburg, das 108 Jahre bestanden hatte, buchstäblich zu Grabe getragen. Weiterbestand hatte nur noch das frühere Karls-Realgymnasium unter dem Namen „Karlsschule, Oberschule für Jungen“. Im Zweiten Weltkrieg fielen insgesamt 78 ehemalige Schüler des Karlsgymnasiums.
Das Herzogliche Karls-Realgymnasium Mit dem 1. Oktober 1853 beginnt die Geschichte des Realgymnasiums. Die Bürgerschule wurde um eine Klasse für 14- bis 16-Jährige aufgestockt, die keine Akademie besuchen, aber sich auf ein technisches oder kaufmännisches Fach oder den Lehrerberuf vorbereiten wollten. Hieraus hat sich die spätere „Höhere Bürgerschule“ (Direktor Friedrich Wilhelm Fischer) und aus dieser das „Realgymnasium“ entwickelt.Wilhelm Ebert: Geschichte des Karls-Realgymnasiums zu Bernburg (Teil I von 1853 bis 1931). In: Günter Wedekind: Geschichte der Höheren Schulen zu Bernburg. Schulgemeinschaft „Carolinum und Friederiken-Lyzeum“, München 1980, ISBN 3-9800389-0-4, S. 185–249.