mini|hochkant|Schloss Spree (2012). Das Schloss Spree ist ein Barockschloss im Ortsteil Spree der Gemeinde Hähnichen im Landkreis Görlitz in der sächsischen Oberlausitz. Das ehemalige Wasserschloss diente bis zur Enteignung der Gutsbesitzer im Jahr 1945 als Hauptgebäude des Rittergutes und wurde danach zu einem Wohnhaus umgebaut. Es steht unter Denkmalschutz. Zur UnterscheidungMP-Sachsen: Einweihung des Schlosses Niederspree in Hähnichen.Naturschutzstation Östliche Oberlausitz: Öffentlichkeitsarbeit Schloss Niederspree., 2022. vom Schloss Niederspree wird das Bauwerk auch als Schloss Oberspree bezeichnet.

Geschichte mini|hochkant|Unsaniertes Nebengebäude des Rittergutes (2012). Das Rittergut Spree wurde bereits im Jahr 1380/1390 urkundlich erwähnt, als Besitz einer gleichnamigen Adelsfamilie von Spree. Es gehörte 1390 einen Meynhard von Spree, 1392 Peter von Spree, fortfolgend bis 1463 einem Junker Lorenz von (der) Spree. Das Gut kam 1662 an die von Nostitz, 1666 ein Otto von Nostitz zu Oberspree. 1682 gelangte in den Besitz der Adelsfamilie von der Gabelentz, dem Wappen am Gebäude entsprechend an das Adelgeschlecht von Gablenz, vom Gut Heidersdorf (Heydersdorf) kommend. Verbürgt ist Heinrich Otto von Gablenz auf Göhren und Spree († 1686), verheiratetGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1877. Jahrgang 27, Justus Perthes, Gotha 5. August 1876, S. 226. mit Anna Brigitta geb. von Tschirnhaus. Das alte Schloss wurde am 26. Mai 1712 durch einen Brand zerstört. Erst 1749Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.): Report Sachgesamtheit Rittergut Spree., Stand 14. April 2021. ließ der damalige Besitzer Hieronymus Christoph von der Gablentz († 1757), mit t, das Schloss Spree wiederaufbauen. Gleichzeitig entstand an der Ostseite des Hofes ein zweigeschossiger Speicher. Der Sohn war Hiernymus Gottlob von Gablenz († 1760) auf Ober- und Niederspree, der Enkel Christoph Friedrich Gottlob von Gablenz († 1781) auf Spree.Genealogie von Gablenz-Spree-bei v. Oppell, In: Alexander Freiherr von Dachenhausen: Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1886. Elfter Jahrgang, Verlag von Friedrich Irrgang, Brünn/Göttingen November 1885, S. 373. 1772 verkaufte die Familie von der Gablen(t)z, hier Franz Adolf von Gablenz († 1838), zuletzt Oberst und Regimentskommandeur,Marcelli Janecki (Red. zug.): Jahrbuch des Deutschen Adels. Band 1, Hrsg. Deutsche Adelsgenossenschaft (DAG), Vaterländische Verlagsanstalt-Verlag von W. T. Bruer, Berlin 1896, S. 647. das Anwesen an den englischen Adligen Thomas Rode, über den das Schloss im Jahr 1813 in den Besitz des Johann Gottfried Wünsche kam. Unter diesem wurde der weitläufige Gutshof um eine Reihe an Nebengebäuden erweitert. 1858 wurde das Gut von der Familie von Rathenow erkauft, für Max Feodor August Viviens von Rathenow-Pinnow († 1895) vom Gut Biberteich, Ehefrau Helene Brandt von Lindau-Schmerwitz. VerkäuferFamilie von Rathenow, In: Verein für die Geschichte Berlins (Hrsg.): Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch. Kommission: E. S. Mittler und Sohn-Selbstverlag, Berlin 1888, S. 19. für 188.000 Thlr. war der Graf Benno Clemens von Mengersen († 1859) zu Schloss Zschepplin. Max von Rathenow war im Amtsbezirk Spree der Amtsvorsteher, sein Stellvertreter Wirtschaftsinspektor Fischberg zu Spree.Außerordentliche Beilage zu Nr. 5 des Amtsblatts der Königlichen Regierung zu Liegnitz. W. Berens, Liegnitz, Ausgegeben am 31. Januar 1874, S. 5. Zuletzt wurde Major Max von RathenowHandbuch über den Königlich Preussischen Hof und Staat für das Jahr 1882/83. In Kommission R. (L). v. Decker`s Verlag Marquardt & Schenck, Berlin 1882, S. 22. preußischer Kammerherr sowie Zeremonienmeister unter Wilhelm II., lebte danach auf Gut Stabelwitz b. Dt.-Lissa. Danach wechselten die Besitzansprüche vor Ort häufiger. Vor 1900 hieß das dazugehörige Gut Spree mit Vorwerk Heidehaus, gesamt 1212 ha, davon u. a. 188 ha Acker, 85 ha Wiesen, 669 ha Forsten, 243 ha Wasser. Es gab also hier besitztechnisch keine Unterteilung in Nieder- und Oberspree.Schlesisches Güter-Adreßbuch. 1894. Verzeichniß. V. Ausgabe, Mit: RB-Liegnitz-Kreis Rothenburg; W. G. Korn, Breslau 1894, S. 320. Nr. 2842. EigentümerAlexander Freiherr von Dachenhausen: Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1894. Neunzehnter Jahrgang, Verlag von Friedrich Irrgang, Brünn/München Oktober 1894, S. 123. war damals die aus der Schweiz, aus der Nähe von Bern stammende Familie von Diesbach, rittermäßiger Wappenbrief 1434, vertretenKöniglich Preußische Ordens-Liste. 1895. Dritter Nachtrag, Mit: Rother-Adler-Orden. Vierte Klasse. Reichsdruckerei, Berlin 31. Januar 1898, S. 92. durch den Kreisdeputierten, Landesältesten der Schlesischen Landschaft und Major a. D. Friedrich von Diesbach (* 1840; † 1909), der 1912 noch im Jahrbuch der Millionäre Aufnahme fand.Rudolf Martin: Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen. 1912. W. Herlet GmbH, Berlin 1912, S. 875. Friedrich von Diesbach galt als erfolgreicher Landwirt und Züchter mit mehreren Preisen,Bernhard Fleck: Blätter für Geflügelzucht. Central-Organ. Jahrgang 19, №. 15, Expedition von C. C. Meinhold & Söhne, Dresden, 9. April 1885, S. 145. er hatte Spree 1876 erworben. Die Ehefrau Ida von Diesbach-Spree geb. Tanner unterstützte dagegen die Zentralhilfskasse der Deutschen Adelsgenossenschaft für bedürftige und verarmte Adelige.Der Central-Hilfsverein der Deutschen Adelsgenossenschaft in seinem Streben und Wirken während der ersten fünf Jahre seines Bestehens 1888–1892. Verlag der Pionier-Buchdruckerei Fr. Spiethoff, Berlin 1893, S. 38. Die Familie von Diesbach hatte keine Nachkommen.Paul von Wiedebach und Nostitz-Jänkendorf: Friedrich von Diesbach, In: Richard Jecht: Neues Lausitzisches Magazin. Band 85, Hrsg. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, Görlitzer Anzeiger und Nachrichten-Selbstverlag, Görlitz 1909, S. 345–346.

Nach 1907/1909 wurde das Rittergut Spree an den im gleichen Jahr zu Berlin geadelten Salpeter-Industriellen Friedrich von Martin († 1915) verkauft,Gothaisches Genealogisches Taschenbuch Alter Adel und Briefadel. 1927. Jg. Justus Perthes, Gotha 1926. jüngeren Quellen zufolge erst 1912. Martins Hauptwohnsitz war aber das Schloss in Rothenburg (O. L.), heute nicht mehr erhalten. Nach dessen Tod wurde das Gut Spree und auch anderen BesitzungenKatja Kretzschmar-Wehlen (Hrsg.): Hähnichen: Schloss Spree., In: Sachsens-Schlösser.de, Stand 14. April 2021. unter dessen Kindern oder teils Enkeln aufgeteilt. Der älteste Sohn Prof. Alfred von Martin wurde nicht bedacht. Sohn Hans von Martin, Korvettenkapitän, bekam den Familienfideikommiss Schloss Rothenburg. Tochter Else von Martin, verheiratete Thiel, erhielt das Gut Nieder-Spree. Fritz von Martin bewirtschaftete Gut Diegsa-Quitzdorf. Viktor von Martin war Offizier, das jüngste der Geschwister, Idalie Margarete, heiratete den späteren Oberst Hans Hugo Graf von Kirchbach.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck, Johann Georg von Rappard, Hans Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1954. Band I, Band 9 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1954, , S. 284–286.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Gutsbesitzererben im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet. Danach wurde das Schloss zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut, im Erdgeschoss wurde ein Ladenlokal eingerichtet. Zwischen 1984 und 1986 erfolgten umfangreiche Sanierungsarbeiten an dem Gebäude, im September 2003 wurde das Schloss für knapp 48.000 Euro versteigert und erneut saniert.Häuser, die Geschichte schreiben. Welt, 21. August 2003, Stand 14. April 2021. Anfang Dezember 2012 wurde das Schloss versteigert. Im Oktober 2020 bot man das Schloss erneut zum Verkauf an. Der Innenausbau ist noch immer nicht abgeschlossen. mini|Giebel ü. d. Eingang. Allianzwappen d. Fam. v. Gablentz, h. a. m. e. Balken vor zwei nebeneinander aufgerichteten dreizinkigen schwarzen Gabeln (eigentl. Heraldik v. Gablenz). Links u. rechts Wappen verm. d. Ehefrauen (gb).

Architektur Das Schloss Spree ist ein zweigeschossiger Rechteckbau mit einem hohen Krüppelwalmdach. Die dem Hof zugewandte Fassade ist neunachsig und mit Pilastern in Kolossalordnung gegliedert. In der Mitte liegt ein reich ausgeführtes Eingangsportal mit Gewänden aus Sandstein. In dem gesprengten Giebel über dem Eingang befinden sich in Allianzheraldik die gefassten Wappen des Erbauers H. C. von Gablen(t)z,Georg Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V. (Hrsg.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Sachsen. Band 1: Regierungsbezirk Dresden. Deutscher Kunstverlag, München 1996, ISBN 3-422-03043-3, S. 808 f. für Johanna Eleonore von Schwanitz († 1716) sowie für Anna Dorothea von Schachmann († 1713), den beiden Ehefrauen des Bauherrn. Darunter liegt ein Schlussstein mit einer aufwendigen Inschrift, die auf die Bauzeit und den Erbauer sowie den Dorfbrand hinweist.

An der Westseite des Herrenhauses wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein gotisierender Anbau mit achteckigem Turm errichtet, der früher als Kapelle diente.

Literatur R. von Diesbach: Schloss Spree, In: Ad. M. Hildebrandt: Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie. Jahrgang XVIII, No. 11, Hrsg. Herold (Verein), Julius Sittenfeld-Kommission Carl Heymanns Verlag-Selbstverlag, Berlin November 1887, S. 131–133. Spree, Nieder-Spree, Ober-Sprre, Gesamt-Spree, In: Walter von Boetticher: Geschichte des Oberlausitzischen Adels und seiner Güter 1635–1815. Band 3, Mit: Preußische Oberlausitz, Hrsg. Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften, Görlitzer Nachrichten–Selbstverlag, Görlitz/Oberlößnitz 1919, S. 654–655. Schloss Spree, In: Barbara Bechter, Wiebke Fastenrath, u. v. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Sachsen. Band 1: Regierungsbezirk Dresden. Hrsg. Georg-Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1996, ISBN 3-422-03043-3, S. 808 f. Spree, In: Bruno J. Sobotka (Hrsg.): Burgen, Schlösser, Gutshäuser in Sachsen. In: Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung, Verlag Theiss, Stuttgart 1996. ISBN 3-8062-1142-6. Schloss Spree, In: Lars-Arne Dannenberg, Matthias Donath: Schlösser in der östlichen Oberlausitz. In: Schlösser in der Oberlausitz. 3 (Edition Sächsische Zeitung), Redaktions- und Verlag-Gesellschaft Elbland, Meißen 2009. DNB

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Einzelnachweise

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