mini|Ostfassade an der Flurstraße mit Doppelturm mini|Ostfassade der gewesteten Kirche mini|Turm
Die römisch-katholische Dreifaltigkeitskirche, auch bekannt als BVB-Gründerkirche, in der Dortmunder Nordstadt liegt in der Nähe des Borsigplatzes an der Flurstraße 10. Die Gemeinde gehört zu den im Rahmen der Industrialisierung gegründeten römisch-katholischen Kirchengemeinden in der Peripherie des Dortmunder Stadtzentrums. Die Kirche wurde 1900 geweiht und eröffnet. Sie sollte den für Arbeitsplätze in der Montanindustrie eingewanderten römisch-katholischen Arbeitskräfte eine religiös geprägte Heimat im protestantischen Dortmund bieten.Dietrich Schulze-Marmeling, Der Ruhm, der Traum und das Geld: Die Geschichte von Borussia Dortmund, S. 24
Geschichte
Gründung der Dreifaltigkeitsgemeinde Im Zuge der wirtschaftlichen Expansion der Montanindustrie kamen viele katholische Arbeiter aus ganz Westfalen, dem Rheinland, Schlesien, Posen, West- und Ostpreußen nach Dortmund. Diese Menschen sollten im bis dahin protestantischen Dortmund auch eine religiöse und katholisch ausgerichtete Heimat finden. Deshalb wurden Neugründungen von Pfarreien und der Bau von Kirchen unerlässlich.
Die Anwohnerzahl rund um den Borsigplatz wuchs zu dieser Zeit stark an, was die 1890 gegründete Pfarrei St. Joseph bereits 1896 dazu bewog im Hoeschviertel eine weitere Kirche zu errichten und eine eigene Gemeinde für die 4000 Katholiken des Viertels zu gründen. So kam es dazu, dass nach der Grundsteinlegung 1898 am 10. Juni 1900, dem Dreifaltigkeitssonntag die Dreifaltigkeitskirche geweiht und an die Gemeinde übergeben wurde. Laut Informationen des Pastoralverbundes Dortmund-Nordstadt-OstWebsite des Pastoralverbundes, siehe die Unterseite „Geschichte“ war die Bevölkerung im Hoeschviertel im Umfeld der Westfalenhütte um 1900 auf 13.207 Menschen angewachsen, darunter viele katholische Zuwanderer aus Hessen, Schlesien, Posen, West- und Ostpreußen, dem Rheinland und anderen Teilen Westfalens. Die Kirche entstand als Filialgemeinde von St. Joseph und wurde erst nach Vollendung des Kirchenbaus zur eigenen Pfarrei. 1900 wurde der Bau im Stil einer romanischen Basilika mit kreuzförmigem Grundriss und Doppelturm an der Straße vollendet. Architekt war Johannes Franziskus Klomp. 1903 errichtete die Gemeinde das Vincenz-Waisenhaus, 1908 ein Vereinshaus.
Die Dreifaltigkeitsgemeinde im Nationalsozialismus Als die Nationalsozialisten in Deutschland 1933 an die Macht kamen, spürten auch die Kirchengemeinden Auswirkungen und den diktatorischen Druck durch Auflösungen, Beschlagnahmungen und Verboten im Kirchenleben. Pfarrer Theodor Lepper stand im starken Konflikt mit dem NS-Regime. Nach seiner Priesterweihe am 4. April 1903 wurde er am 1. Juni 1919 Pfarrer der Dreifaltigkeitsgemeinde. Im Juni 1935 startete das NS-Regime eine Offensive gegen die katholische Kirche, bei der Priester und Ordensleute durch eine Verleumdungskampagne in ihrem öffentlichen Ansehen stark beschädigt werden sollten. In diesem Zuge wurde Lepper wegen angeblichen Devisenvergehens von der Gestapo verhaftet und vom 16. April bis zum 5. Juni 1935 in die Steinwache in Dortmund, später in Berlin-Moabit inhaftiert. Die Rückkehr Leppers nach Dortmund wurde zum Zeichen des Widerstandes in der Gemeinde. Am 7. September 1937 wurde Lepper wegen der Nichtnennung der Unterstützenden bei der illegalen Verteilung der Enzyklika "Mit brennender Sorge" zu einer Geldstrafe von 140 Reichsmark verurteilt. Trotzdem protestierte er gegen den Bescheid vom 22. Oktober 1941 des Oberbürgermeisters gegen die Beschlagnahmung des Piushauses.
Am 23. Mai 1943 wurde die Dreifaltigkeitskirche durch Bombenangriffe zerstört. In die erhaltenen Teile wurden russische Gefangene verlegt. Weitere Angriffe am 25. Mai und 15. November 1944 sowie am 10. März 1945 zerstörten die Kirche und das Pfarrhaus vollständig.
Wiederaufbau und Umbauten Pfarrer Theodor Lepper leitete den ersten Teil des Wiederaufbaus des völlig zerstörten Kirchengeländes ein. Nach seinem Tod im Februar 1953 übernahm Alois Niedermeier, der 3. Pfarrer von Dreifaltigkeit, nach seiner Einführung am 6. April 1953 den Wiederaufbau des Kirchengebäudes. Mit dem Wiederaufbau wurde der Dortmunder Architekt Hermann Kessemeier beauftragt, der einige Elemente des alten Kirchengebäudes mit aufnahm, dafür aber andere vollkommen erneuerte. Am 24. Oktober 1954 konnte die Gemeinde in das neue Gotteshaus einziehen. Kessemeier selbst schrieb zum Wiederaufbau in die Chronik der Dreifaltigkeitsgemeinde: „Das Zusammenwirken von alten und neuen Materialien, von Formen und Farben zur Ehre des Herrn, möge sichtbar werden lassen, dass sich alle Mühe mit Hammer und Meißel und Feuer gelohnt hat.“Gemeindechronik der Dreifaltigkeitsgemeinde Nach dem Wiederaufbau erlebte das Gemeindeleben einen Aufschwung. 1963 wurden die letzten Baumaßnahmen beendet und Kirche, Pfarrhaus, Piushaus und Kindergarten bilden wieder eine Einheit. Im Zuge des 2. Vatikanischen Konzils wurde 1971 der Hochaltar entfernt und ein neuer „Volksaltar“ geweiht. Im November 2008 wurden Bänke in der Kirche entfernt, das Taufbecken kam in den vorderen Eingangsbereich und der Tabernakel hinter den Altar.
Die Heilige Dreifaltigkeitsgemeinde heute Ab den 1970er-Jahren erlebte die Dreifaltigkeitskirche am Borsigplatz, wie viele andere Kirchengemeinden, erhebliche Veränderungen. Die Zahl der Kirchenbesucher sank, Taufen, Erstkommunionen und Eheschließungen gingen zurück. Das Gemeindeleben schrumpfte zunehmend. 2002 mussten das Piushaus und der Kindergarten aufgrund von Baufälligkeiten abgerissen werden. Am 1. Mai 2003 wurde der Pastoralverbund Dortmund Nordstadt-Ost gegründet, der die Pfarreien Heilige Dreifaltigkeit, Sankt Antonius und Sankt Joseph umfasst.
Die Umstrukturierungen setzten sich fort: Am 1. Januar 2016 wurden die sechs katholischen Pfarreien in der Dortmunder Nordstadt aufgelöst und zur neuen Pfarrei Heilige Dreikönige zusammengeschlossen. Im Jahr 2020 lebten noch etwa 1950 Katholiken im Borsigplatzviertel. Von diesen nahmen durchschnittlich nur noch etwa 30 Gläubige an der sonntäglichen Eucharistiefeier teil.
Seit 2017 gibt es das fanpastorale Projekt „Coming Home 09“, das von Gemeindereferent Karsten Haug entwickelt und geleitet wird. Dieses seelsorgerische Angebot richtet sich speziell an BVB-Fans und verbindet Fußball mit Glauben. Zu den Angeboten gehören Führungen, Workshops zum Thema „Fußball und Glaube“, ökumenische BVB-Gottesdienste und die seelsorgerische Betreuung für Fans.
2024 startete das Projekt „BVB-Gründerkirche“ in der Dreifaltigkeitskirche. Das Erzbistum Paderborn und Borussia Dortmund treiben gemeinsam die Sanierung und Umgestaltung der Kirche voran. Der Umbau hat im Herbst 2024 begonnen und soll die Kirche zu einem Begegnungszentrum entwickeln, das sowohl als Gotteshaus erhalten bleibt als auch neue Nutzungsmöglichkeiten bietet. Geplant sind unter anderem eine Tribüne, ein Spielertunnel und eine multimedial bespielbare Glaswand. Das Projekt zielt darauf ab, einen Ort der Erinnerung für die BVB-Geschichte zu sein und sozial-diakonische Projekte umzusetzen. Die bestehende Fanpastoral „Coming Home 09“ wird in der neuen Gründerkirche vollständig integriert werden.
Sport in und um die Dreifaltigkeitsgemeinde Die Jünglingssodalen der Dreifaltigkeitsgemeinde begannen 1906 mit Faustball und Tamborinspiel und erweiterten ihr Programm 1907 um das Turnen und die Leichtathletik. Sie trainierten auf der „Weißen Wiese“, die von der Stadt Dortmund als Ballspielplatz mit Laufbahn und Sprunggrube ausgebaut wurde. Ebenfalls im Jahr 1906 begannen sie auch Fußball zu spielen, obwohl dies nicht allgemein akzeptiert war. Alle Abteilungen konnten bis zum Ersten Weltkrieg große Erfolge verbuchen, insbesondere die Turnabteilung. Neu hinzugekommen sind in der Zeit noch das Wandern und ein Trommlerkorps. Während der Kriegsjahre 1914–1918 wurde der Sport eingeschränkt fortgeführt, wobei viele Sportler Opfer des Krieges wurden. Nach den Kriegsjahren reorganisierten Kaplan Schwethelm und Lehrer Lerch die Sportarten der Gemeinde.
Im Zuge einer Dortmunder Bewegung zur Gründung ordentlicher Sportvereine in allen Gemeinden wurde 1920 der Sportverein DJK UNITAS gegründet. Der Straßenlauf „Rund um die Dreifaltigkeitstürme“ war besonders bekannt. 1924 löste sich die UNITAS-Fußballmannschaft trotz einiger Erfolge auf, denn das Schlagballspiel erfreute sich in diesen Jahren größerer Beliebtheit. 1929 zählte die DJK 320 Mitglieder, wovon die meisten von ihnen in der Handballabteilung spielten. Neben dem Sport stand besonders die Geselligkeit im Vordergrund, mit dem alljährliche Stiftungsfest im Piushaus als Höhepunkt. Die Nationalsozialisten überführten die DJK-Vereine 1934 in den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen. 1935 folgte im Zuge der „Gleichschaltung“ das Verbot und die Auflösung. Die älteren Mitglieder zogen sich aus dem Sport zurück, während die Jüngeren sich dem BVB 09 oder der Sportgemeinschaft HOESCH anschlossen. Am 20. Februar 1947 wurde die DJK wiedergegründet. An der Gründung waren Vertreter der DJK ARMINIA und der DJK SAXONIA beteiligt und einigten sich gemeinsam auf den Namen DJK UNITAS. Folgende Sportarten wurden gepflegt: Fußball, Handball, Leichtathletik, Tischtennis und Turnen.
Das kirchliche Vereinsleben in der Dreifaltigkeitsgemeinde Nach der Fertigstellung der Kirche und des Pfarrhauses wurde das Piushaus als Vereinshaus für die Dreifaltigkeitsgemeinde errichtet. Der Gedanke dahinter war, den zugezogenen Menschen in den katholischen Vereinen eine Heimat zu geben und sowohl Arbeiter als auch Jugendliche in das kirchliche Leben zu integrieren. So hatten die kirchlichen Vereine für die neu Zugezogenen eine bedeutende und gemeinschaftsbildende Rolle. Der Borromäusverein, der am 1. Januar 1901 gegründet wurde, zählte mit Gründung bereits 30 Mitglieder. Der Verein sorgte für Bücher, wandte sich gegen „minderwertiges Schrifttum“ und verbreitete die christliche Soziallehre. Ebenfalls im Januar gründete sich der katholische Männerverein Konstantina, der versuchte, die unterschiedlichen sozialen Schichten in die Gemeinde zu integrieren. Im Juni 1901 gründete sich der Mutterverein, in dessen Rahmen sich einmal im Monat über 100 Frauen und Mütter trafen. Diese leisteten praktische Hilfe (Caritas). Im November 1901 wurde die Marianische Jungfrauenkongregation gegründet, in die im Dezember bereits 45 Mädchen aufgenommen wurden. Die Kongregation beschäftigte sich vor allem mit religiöser Arbeit, dem angestrebten Ideal des marianischen Lebens und die erwachsende Mütterlichkeit. Als Pendant entstand die Marianische Jünglingssodalität für die Jungen der Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit. Aufgrund der hohen Zahlen von Gemeindemitgliedern aus dem polnischen Sprachbereich wurden 1908 drei polnische Arbeitervereine und die Rosenkranzbruderschaft gegründet. Um den vielfältigen Treffen und Veranstaltungen einen Raum zu geben, wurde 1908 das Piushaus als Vereinshaus eingeweiht.
Die Marianische Jünglingssodalität Die Marianische Jünglingssodalität in der Dreifaltigkeitsgemeinde wurde Ende November 1901 gegründet und bestand aus drei Abteilungen: 14- bis 17-Jährige, 17- bis 20-Jährige und über 20-Jährige. Hauptaufgabe war die Gemeinschaft und Anleitung der Jugend zu einem christlichen Leben und die Bewahrung vor religiösen und sittlichen Gefahren. Um dieses Ziel zu erreichen, legte man großen Wert auf die sonn- und feiertäglichen Messebesuche mit dem regelmäßigen Empfangen der Sakramente, die Pflege der Geselligkeit und die Förderung der gewerblichen und allgemeinen Bildung.