Der Servette Football Club Genève 1890, kurz Servette FC oder nur Servette, auch bekannt als Servette Genf, ist ein Fussballclub aus dem gleichnamigen Quartier La Servette aus Genf. Der 1890 gegründete Sportclub spielte anfänglich Rugby; um die Jahrhundertwende wechselte der Verein zum Assoziationsfussball. Servette gewann hinter dem Rekordmeister Grasshoppers und dem FC Basel am drittmeisten Schweizer Meisterschaften. Das Team wird aufgrund des granatroten Dress auch Grenats genannt. Der Verein spielt in der höchstklassigen Super League und trägt seine Heimspiele im Stade de Genève in Lancy aus.

Vereinsstruktur Besitzerin des Servette FC ist die Fondation 1890, die eine dominante Stellung beim Profisport im Kanton Genf einnimmt. Neben dem Fussballverein gehören dieser gemeinnützigen Stiftung auch der Eishockeyverein Genève-Servette HC und der Rugbyverein Servette RC; ebenso unterstützt sie das Frauenfussballteam Servette FC Chênois Féminin. Diese enge Verflechtung ermöglicht vielfältige Synergien. Die Finanzierung der Fondation 1890 erfolgt vollständig über die nach Hans Wilsdorf benannte Fondation Hans Wilsdorf, die in Verbindung mit dem in Genf ansässigen Uhrenkonzern Rolex steht.

Geschichte , Website Servette FC (franz.)., auf servettiens.ch (franz.).Geschichte Servette FC mit Bildern, auf super-servette.ch (deutsch).

Gründung 1890 mini|Servette FC 1892 Der Football Club de la Servette wurde am 20. März 1890 gegründet, als ein junger Brite von seinem Vater, der gerade von einer Reise aus England zurückgekommen war, einen ovalen Ball bekam und eine Mannschaft gründen wollte. Gespielt wurde nun Fussball-Rugby auf dem Terrain Pré Wendt. Servette war indes nicht der erste Verein, der in Genf gegründet wurde. Einige internationale Institute hatten im Jahr 1869 bereits Football gespielt.

Die Spieler mussten nachher zuerst auf das Terrain Prairie zügeln (umziehen). Die Mitgliederzahl stieg stetig an, und man bekam die offizielle Genehmigung, auf den Plainpalais umzuziehen. Trotzdem mussten sie dort wegen der nationalen Ausstellung zwei Jahre aussetzen. Da Servette immer noch Rugby spielte und nicht auf den Fussball umgestellt hatte, war man auch nicht dabei, als der Schweizerische Fussballverband (SFV) am 7. April 1895 gegründet wurde. Nur durch den guten Zusammenhalt der Mitglieder konnte der Verein überleben. Bei der Wiederaufnahme des Clubs im Jahre 1898 wurde es immer schwieriger, Rugby-Gegner in der Schweiz zu finden, weshalb er sich immer mehr Richtung Frankreich orientieren musste. Der damalige Servette-Captain, Déjerine, ist grösstenteils für die Gründung der Fussballabteilung verantwortlich; er spielte neben Rugby bereits auch Fussball. Bevor Servette im Jahr 1899 die Sektion Fussball gründete, konnte der Club noch vor 3000 Zuschauern gegen das grosse Olympique Lyon spielen. Das erste Fussballspiel bestritt Servette am 3. Dezember 1899 gegen den FC Excelsior Zürich und konnte dieses gleich mit 2:1 gewinnen. Im Jahr 1900 gewann der Servette FC auch das zweite Spiel gegen den FC Excelsior mit 2:0. Im selben Jahr gewann Servette den durch Captain Déjerine ins Leben gerufenen Sonntags-Cup gegen den FC Neuenburg, nachdem man bereits Aigle 17:0 und den FC Genève 2:0 hatte schlagen können. Der Fussball hatte sofort einen grossen Erfolg in der Calvinstadt, und so wurde Servette im Jahr 1900 Mitglied des SFV. Im gleichen Jahr wurden auch der FC Fire Flies Zürich und der FC Baden in den SFV aufgenommen. Servette musste erneut umziehen, diesmal auf das Areal des Tennis-Clubs Pré Cayla. Pré Cayla wurde später zum Parc des Sports. Der Parc des Sports – mit einer Tribüne für die Damen und die Mitglieder des Komitees – wurde am 31. März 1901 anlässlich eines Rugby-Spiels eingeweiht. Dieses Stadion befand sich am Ort des späteren Stade des Charmilles.

1900–1920 Saisondaten 1900–1920 Saison Platz Liga 1900/01 3/4 Serie A (West) 1901/02 2/4 Serie A (West) 1902/03 4/4 Serie A (West) 1903/04 3/16 Serie A 1904/05 3/5 Serie A (West) 1905/06 2/15 Serie A 1906/07 1/16 Serie A 1907/08 2/7 Serie A (West) 1908/09 4/7 Serie A (West) 1909/10 2/19 Serie A 1910/11 3/21 Serie A 1911/12 3/23 Serie A 1912/13 2/7 Serie A (West) 1913/14 3/7 Serie A (West) 1914/15 2/16 Serie A 1915/16 2/6 Serie A (West) 1916/17 3/8 Serie A (West) 1917/18 1/23 Serie A 1918/19 2/24 Serie A 1919/20 2/24 Serie A mini|Meisterteam Servette FC 1917/18 Nach der Eröffnung des Parc des Sports ging es mit Servette stetig aufwärts. Im Jahr 1902 hatte Servette bereits über 100 Mitglieder. Im selben Jahr wurde auch die erste Tribüne gebaut, welche aber den Damen und dem Vorstand vorbehalten blieb. Im Jahr 1902 bestritt Servette zudem auch sein erstes internationales Fussballspiel, gegen Racing-Club Paris spielte man 2:2. Die Schweizer Meisterschaft war zu dieser Zeit noch in drei Gruppen aufgeteilt. Servette gewann im Jahr 1904 zum ersten Mal die Westschweizer Gruppe und qualifizierte sich für die Finalspiele. Auch im Jahr 1905 konnte man diese erreichen, sich aber erneut nicht durchsetzen.

Im Jahr 1907 qualifizierte man sich erneut für die Finalspiele, die auch der FC Basel als Sieger der Gruppe Zentral und die Young Fellows Zürich für die Gruppe Ostschweiz erreichten. Nach einem 5:2-Sieg über den FC Basel und einem 1:0-Sieg nach Verlängerung gegen die Young Fellows Zürich war der erste Meistertitel des Servette FC Realität.

Ab dem Jahr 1908 wurde nur noch in zwei Gruppen gespielt. Am Ende der Saison stand Servette mit gleicher Punktzahl da wie die Young Boys aus Bern. Das Barragespiel verloren die Genfer aber und konnten somit ihren ersten Meistertitel nicht verteidigen. Das Stadion wurde im Jahr 1908 auf 200 Sitzplätze erweitert. Im selben Jahr fand auch das erste Länderspiel im Parc des Sports statt. Die Schweiz (mit Servette-Goalie Dreyfuss) verlor gegen Frankreich mit 1:2.

Im Jahr 1912 erklärte Aimé Schwob, der zwölf Jahre Präsident von Servette war, sich nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung zu stellen. Bis zur Mobilmachung wegen des Ersten Weltkriegs konnte Servette noch dreimal seine Gruppe gewinnen, aber keinen Meistertitel holen. Der Erste Weltkrieg bedeutete das Ende für die Rugbyabteilung von Servette, welche nicht ins Ausland reisen konnte und keine Gegner in der Schweiz fand. Zudem wurde der Fussball immer beliebter.

Unter dem neuen Präsidenten, Gabriel Bonnet, wurde Servette zum Mass der Dinge im Schweizer Fussball. Insgesamt vier Meistertitel (1918, 1922, 1925 und 1926) schmücken seine Amtszeit bei Servette. Gabriel Bonnet wurde im Jahr 1923 zum Vizepräsidenten der FIFA ernannt. Er war es dann auch, der im Jahr 1927 dem Exekutivkomitee der FIFA den Vorschlag einer Fussball-Weltmeisterschaft unterbreitete, die im selben Intervall wie die Olympischen Spiele ausgetragen werden sollte. Im Jahr 1930 fand dann die erste Fussball-Weltmeisterschaft in Uruguay statt.

1921–1928 Saisondaten 1921–1928 Saison Platz Liga 1920/21 3/24 Serie A 1921/22 1/24 Serie A 1922/23 3/24 Serie A 1923/24 3/27 Serie A 1924/25 1/27 Serie A 1925/26 1/27 Serie A 1926/27 2/9 Serie A (West) 1927/28 2/9 Serie A (West) mini|Meisterteam Servette FC 1924/25 Teddy Duckworth, der einst Spieler bei Servette war, kehrte im Jahr 1921 zu Servette zurück. Aufgrund einer Knieverletzung musste er seine Karriere als Spieler beenden und wurde Trainer von Servette. Bereits in seinem ersten Jahr als Trainer holte Servette den dritten Meistertitel der Vereinsgeschichte. In den Finalspielen schlug Servette am 28. Mai 1922 den FC Blue Stars Zürich mit 1:0, und am 25. Juni 1922 konnte man auch den FC Luzern 2:0 bezwingen. 1923 und 1924 wurde Servette Gruppensieger der Westschweizer Gruppe. Im Jahr 1923 wurden aber keine nationalen Finalspiele ausgetragen, und im Jahr 1924 unterlag man in der Finalrunde in beiden Spielen gegen Nordstern und Zürich.

Zahlreiche Servette-Spieler nahmen für die Schweiz an den Olympischen Spielen 1924 in Paris teil, wo Teddy Duckworth auch als Trainer der Schweizer Fussballnationalmannschaft fungierte. Das Team musste sich erst im Final gegen Uruguay mit 0:3 geschlagen geben und war damit die beste europäische Mannschaft.

Mit Servette musste Duckworth bis ins Jahr 1925 warten, ehe er einen weiteren Meistertitel feiern konnte. Nach einem Unentschieden gegen die Young Fellows Zürich reichte ein 1:0-Sieg gegen den FC Bern. Der vierte Meistertitel von Servette fällt auch auf das 35-Jahr-Jubiläum des Vereins, der mittlerweile über 600 Mitglieder zählte und zehn Teams in den verschiedenen Kategorien hatte.

Ein weiteres Highlight in der Geschichte Servettes bot auch das Jahr 1926. Nachdem die Westschweizer Gruppe zum neunten Mal hatte gewonnen werden können, standen Servette, die Young Boys und der Grasshopper Club Zürich in den Finalspielen. Nachdem sowohl Servette als auch der Grasshopper Club Zürich gegen die Young Boys gewonnen hatten, kam es zum entscheidenden Spiel. GC ging bis zur Halbzeit mit 2:0 in Führung, doch Servette konnte das Spiel in den letzten 25 Minuten noch ausgleichen. Somit kam es zum ersten Mal in der Schweizer Fussballgeschichte zu einem Entscheidungsspiel, um den Schweizer Meister zu ermitteln. Auch im zweiten Spiel am 4. Juli 1926 lag der Grasshopper Club Zürich mit 2:0 vorne, doch Servette glich abermals aus und setzte sich schliesslich mit 3:2 durch. Somit konnte sich der Servette FC zum fünften Mal die Meisterschaft sichern.

Nebst diesen Meistertiteln gelang es Servette unter Teddy Duckworth, auch den ersten Cupsieg der Vereinsgeschichte zu holen. Am 25. März 1928 setzte man sich in Genf souverän gegen den Favoriten Grasshopper Club Zürich mit 5:1 durch.

1929–1933 Saisondaten 1929–1934 Saison Platz Liga 1928/29 4/9 Serie A (West) 1929/30 1/27 Serie A 1930/31 5/11 Serie A (West) 1931/32 7/9 Nationalliga (Grp 2) 1932/33 1/16 Nationalliga 1933/34 1/16 Nationalliga mini|Meisterteam Servette FC 1929/30 Paul Addor, welcher das Präsidium des Vereins im Jahr 1929 übernommen hatte, entschied gegen Widerstand aus dem eigenen Verwaltungsrat, dass ein neues Stadion gebaut werden soll. Im Jahr 1930 entschied der Schweizerische Fussballverband, dass die Teams, die sich auf Platz 1 und 2 der beiden Gruppen befinden, an den Finalspielen teilnehmen können. In diesem Jahr startete Servette aber sehr schlecht in die Saison, und der Trainer Frido Barth wurde schon bald durch den altbekannten Teddy Duckworth ersetzt, der wieder zurückkehrte. Unter Duckworth gelang es Servette noch im letzten Spiel, sich für die Finalspiele zu qualifizieren. Dort glänzten sie dank vier Siegen: am 11. Mai 1930 ein 4:2 gegen die Young Boys, am 19. Mai 1:0 gegen den Grasshopper Club Zürich (beide im Parc des Sports), am 25. Mai 3:1 gegen Lugano und am 1. Juni 3:0 gegen den FC Basel. Ungeschlagen in den Finalspielen, durfte Servette wieder den Meistertitel feiern.

Am 28. Juni 1930 wurde das Stade des Charmilles eröffnet. Anlässlich der Eröffnung organisierten Paul Addor und der Bankier Gustave Hentsch das internationale Turnier «Coupe des Nations 1930». Noch heute wird dieses Turnier als die «Gründung» der Champions League (vormals Meistercup) angesehen. Acht Landesmeister und zwei Cupsieger spielten damals in Genf: SpVgg Fürth (Deutschland), First Vienna (Österreich), RCS Brugge (Belgien), Real Unión Irún (Spanien), FC Sète (Frankreich), FC Bologna (Italien), Go Ahead Eagles (Niederlande), Újpest Football Club (Ungarn), Slavia Prag (Tschechoslowakei) und natürlich Servette als Schweizer Meister. Servette beendete dieses Turnier auf dem 3. Platz.